LOD BIM

Einleitung

Viele Kunden haben die Vorstellung: „Je detaillierter das BIM-Modell, desto besser.“ Doch in der Praxis führt genau diese Einstellung häufig zu unnötigen Kosten, langen Projektzeiten und komplexen Abstimmungsrunden.

Die Wahrheit ist: Mehr Detail bedeutet nicht automatisch mehr Nutzen.
Oft reicht ein bewusst gewählter LOD 200 oder 300 völlig aus – insbesondere in der frühen Phase eines Projektes. Was wirklich zählt, ist die gezielte Kombination von Geometrie und Information und die Fähigkeit, das Modell flexibel wachsen zu lassen, sobald neue Details benötigt werden.

In diesem Beitrag erkläre ich, warum weniger oft mehr ist, wie man mit Revit-Familien effizient arbeitet und welche Vorteile eine professionelle Laserscanner-Erfassung für Bestandsgebäude bietet.


Was steckt eigentlich hinter LOD, LOG und LOI?

  • LOD (Level of Development) beschreibt den Entwicklungsgrad eines Modells.
  • LoG (Level of Geometry) steht für die geometrische Genauigkeit, also wie detailliert die Form und Darstellung ist.
  • LoI (Level of Information) betrifft die in den Bauteilen enthaltenen Daten – Materialien, Eigenschaften, Herstellerinformationen und vieles mehr.

LOD ergibt sich also im Zusammenspiel von Geometrie (LoG) und Information (LoI).


Warum oft LOD 200 oder 300 ausreicht

Stellen wir uns ein Beispiel vor:
Ein Bürogebäude wird für eine Machbarkeitsstudie modelliert. Ziel ist es, Flächen zu prüfen, Volumina zu berechnen und erste Kosten grob zu ermitteln. Hier reicht ein LOD 200 völlig aus. Alles andere würde nur unnötig Geld kosten, da viele Details zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht feststehen.

Erst wenn es darum geht, konkrete Genehmigungspläne zu erstellen oder präzise Kollisionsprüfungen durchzuführen, kommt ein LOD 300 ins Spiel. Aber auch hier gilt: Nur so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich.


Vom Platzhalter zum Detail: Revit-Familien als Schlüssel

Der Sprung von LOD 200 auf LOD 300 bedeutet nicht, dass man von vorne anfangen muss.
In Revit lässt sich sehr viel über sogenannte Familien steuern. Eine Familie kann im frühen Stadium als einfacher Platzhalter dienen – zum Beispiel bei Türen:

  • Bei LOD 200 reicht es, die lichte Öffnung und ggf. die Aufschlagsrichtung darzustellen.
  • Später, wenn mehr Detail gewünscht ist, kann man dieselbe Familie erweitern: Türblatt und Rahmen hinzufügen.

Alle Türen dieses Typs im gesamten Modell passen sich dann automatisch an – ohne dass man jede einzelne Tür neu modellieren muss.

Dieses Prinzip gilt genauso für Fenster, Treppen oder Geländer. Wichtig ist lediglich, dass der Modellierer von Anfang an die unterschiedlichen Typen sauber voneinander trennt. Dann wird der Übergang zwischen den LOD-Stufen fließend und effizient.


Der große Vorteil von Laserscanning

Ein Punkt, den viele unterschätzen:
Wenn ein Gebäude professionell per Laserscanning aufgenommen wird, sind die sichtbaren Details dauerhaft in der Punktwolke gespeichert.
Das heißt: Auch wenn wir uns im ersten Schritt auf ein LOD 200 oder 300 beschränken, können wir jederzeit später zusätzliche Details aus der Punktwolke ins Modell übernehmen.

Das gibt enorme Flexibilität:

  • Niedriger Detaillierungsgrad zu Beginn → schnelle und wirtschaftliche Modelle.
  • Später mehr Detail nötig → gezielt Ergänzungen aus der Punktwolke ziehen, ohne von vorne anfangen zu müssen.

Natürlich ist klar: Eine Laserscan- oder Lidar-Erfassung ist in der Regel teurer als ein klassisches manuelles Aufmaß mit Zettel, Bleistift und Maßband. Aber diese Mehrinvestition zahlt sich fast immer aus.
Denn beim manuellen Aufmaß können Maße übersehen, Details vergessen oder schlichtweg nicht erfasst werden. Beim Laserscanning kann das zwar theoretisch auch passieren – die Wahrscheinlichkeit ist aber enorm gering.

Das Ergebnis:

  • Nachhaltigkeit statt Doppelarbeit
  • Weniger Anfahrten und damit Kostenersparnis
  • Verlässliche Datenbasis, auf die man jederzeit zurückgreifen kann

Praxisbeispiel 1: Fehlende Maße beim klassischen Aufmaß

Bei einem Projekt in einem älteren Verwaltungsgebäude sollte ursprünglich ein klassisches manuelles Aufmaß durchgeführt werden. Schon nach der ersten Begehung stellte sich heraus, dass einige kritische Maße fehlten – unter anderem bei nicht einsehbaren Schächten und abgehängten Decken. Das bedeutete: erneute Anfahrt, erneutes Aufschließen, erneute Abstimmung mit dem Nutzer.

Wäre das Gebäude von Anfang an per Laserscanner erfasst worden, wären diese Details automatisch vorhanden gewesen – selbst wenn man sie beim ersten Modellierungsdurchgang noch nicht benötigt hätte. Statt drei Termine und Zusatzkosten hätte ein einziger Termin genügt.


Praxisbeispiel 2: Die fehlende Rechtwinkligkeit

Ein klassisches Thema im Bestand ist die nicht vorhandene Rechtwinkligkeit von Gebäuden.
Viele Bestandsbauten weisen minimale Abweichungen in den Raumwinkeln auf, die man vor Ort mit bloßem Auge kaum wahrnimmt. Beim klassischen Aufmaß gehen solche Feinheiten meist verloren.

Bei der Auswertung der Punktwolke werden diese Abweichungen jedoch sichtbar. Dadurch lässt sich die Realität deutlich genauer abbilden.
Der entscheidende Vorteil: Je nach Projektanforderung kann man flexibel entscheiden, ob man diese Abweichungen

  • ignoriert (z. B. für ein grobes Entwurfsmodell),
  • dokumentiert (z. B. im Bericht an den Bauherrn),
  • oder direkt im Modell berücksichtigt (z. B. für präzise Detailplanungen oder Sanierungsmaßnahmen).

So bleibt die Datengrundlage universell nutzbar – ohne Mehrkosten durch erneute Vermessung.


Geometrie und Information: Die Synergie von BIM

BIM lebt nicht nur von präziser Geometrie, sondern ebenso von den hinterlegten Informationen.
Wäre es ausschließlich Geometrie, könnte man es auch schlicht „3D-Modell“ nennen.
Die eigentliche Stärke von BIM liegt in der Verknüpfung beider Welten: Jede Geometrie kann mit beliebig vielen Informationen versehen werden – von einfachen Maßen bis hin zu detaillierten Materialangaben oder Wartungsintervallen.

So entsteht ein BIM-Ready-Modell, das mit dem Projekt wachsen kann.
Das bedeutet: Man muss zu Beginn nicht alles festlegen, sondern kann Schritt für Schritt zusätzliche Informationen hinzufügen, sobald sie relevant werden. Auf diese Weise bleibt das Modell flexibel, effizient und passgenau auf die jeweilige Anforderung zugeschnitten.


Praxisbeispiel: Wände im BIM-Modell

Stellen wir uns eine Wand in einem Bestandsgebäude vor:

  • Anfangsphase (LOD 200/300): Die Wand ist als 3D-Geometrie erfasst – Lage, Länge, Höhe und Breite stimmen. Das Modell kann damit sofort für Flächenberechnungen, Volumenanalysen oder erste Planungen genutzt werden.
  • Spätere Phase: Sobald weitere Informationen relevant werden, können Attribute wie Material, Brandschutzklasse, U-Wert oder Herstellerinformationen ergänzt werden.
  • Ergebnis: Das Modell wächst mit dem Projekt, ohne dass die Geometrie verändert werden muss. Jede Wand trägt die Informationen, die gerade benötigt werden, und kann bei Bedarf jederzeit erweitert werden.

So wird das Modell BIM-Ready: flexibel, zukunftssicher und effizient – und die perfekte Synergie von Geometrie und Information wird voll genutzt.

Auf der Seite von BibLus (extern) ist es meiner Meinung nach sehr gut beschrieben und ist einen Besuch wert.